Reise, Reise

Nachdem ich ja jetzt schon seit einiger Zeit nichts mehr von mir hab hören lassen, heute mal wieder ein neuer Blogeintrag. Mittlerweile haben wir schon ganz Chile hinter uns gelasssen. Wir waren am südlichsten Punkt der Welt auf dem Festland, in Punta Arenas. Nach dem Torres del Paine sind wir mit dem Flugzeug ca. 1000km nach Norden, nach Puerto Montt geflogen. Die Restlichen ca. 4000 km sind wir mit dem Bus in einigen Etappen gereist. In Temuco (etwa. 600km nördlich von Puerto Montt) haben wir meinen Mitbewohner Yuppi getroffen und sind auf Pferden um einen schneebedeckten Vulkan zu einem einsamen Wasserfall mitten im Dschungel geritten. Danach gings mit den Bus weiter nach Santiago, wo wir bei Gerhard unser Gepäck neu organisierten und u.a. die Badesachen, welche im kalten Süden eindeutig überflüssig gewesen wären, wieder einpackten. Am selben Tag sind wir mit einem Bus Cama (Bettbus) sehr bequem etwa 23h nach San Pedro de Atacama gefahren. Der Ort liegt mitten in der Atacamawüste und ist nach Ansicht mancher Menschen der trockenste bewohnte Ort der Welt und liegt auf einer Hochebene auf 2600m über dem Meeresspiegel. Wir haben die Trockenheit sehr stark im Hals gespürt, man konnte kaum so viel trinken, dass es nicht gekratzt hat. Nachwirkungen sind bis heute (drei Tage danach) noch spürbar. In der Wüste haben wir die Tatio Geysire angeschaut. Diese befinden sich auf 4200m ü.NN. und um sind am Besten um 6 Uhr morgens zu besichtigen, da sie dann die nächtliche Eisschicht durchbrechen und explodieren. Die Fahrt ging um 4 Uhr los, oben hatte es -14°C. Es fiel nicht wirklich leicht, sich bei dieser Temperatur die Klamotten vom Leib zu schälen um dann in einer der heißen Quellen baden gehen zu können. Aber im Wasser wurde der eiserne Wille belohnt: Je nach Stelle im Pool hatte es zwischen geschätzen 18°C und 60°C. Nach einigem Suchen konnten wir dann eine Stelle finden, an der es angenehm warm, aber auch nicht zu heiß war. Einmal richtig aufgeheizt war dann selbst das Verlassen des Wassers keine große Überwindung mehr. Die Badehose war allerdings an den Boden angefroren, nachdem wir die Klamotten wieder an hatten.
Nach den Quellen waren wir noch in der großen Salzwüste, nahe San Pedro. Die entsprach allerdings nicht meinen Erwartungen. Es war nicht die flache, weiße Fläche, es sah eher aus wie ein frisch gepflügter Acker, der mit dem Salzstreuer bearbeitet wurde. Endlos war die Ebene trotzdem. Naja, die weiße Fläche werden wir in Bolivien noch sehen. Dafür sahen wir einen bilderbuchhaften Sonnenuntergang, mit sich im seichten Wasser spiegelnden Flamingos.

Nach San Pedro ging die Reise weiter über Arica (nördlichste Stadt Chiles), Tacna (südlichste Stadt Perus) nach Arequipa. Eigentlich hatten wir in Arica einen Bus bis Lima gebucht. Abfahrt 10:30, Fahrzeit: 7h. Also sollten wir gegen 17:30 in Arequipa ankommen. Naja, die Rechnung stimmt zwar an einer deutschen Universität, nicht jedoch in Südamerika. Einen Bus gabs nicht. Stattdessen lotste uns der Verkäufer der Bustickets zu einem riesigen Gebrauchtwagenmarkt alter US-amerikanischer Schlitten. Dort fand
sich ein Taxifahrer, der außer uns noch auf drei andere Passagiere wartete. Der Gebrauchtwagenmarkt entpuppte sich also als gigantischer Taxistand. Nachdem nun das Auto um 11:30 mit 5 Passagieren zuzüglich Fahrer beladen war, ging die Reise los. Er teilte uns mit, dass er uns nur über die Grenze in die nächste Stadt, nach Tacna bringt. Und was ist mit unserem Bus nach Arequipa? Ja den gibts dann vielleicht in Tacna. An der Grenze wurden dann mehrere Papiere ausgefüllt, Pässe kontrollier, nochmal Papiere ausgefüllt, bemerkt, dass ich ja ein Studentenvisum habe, also auch noch meinen chilenischen Personalausweis kontrolliert, anderes Papier ausgefüllt. Dann wurde noch das Gepäck wie am Flughafen durchleuchtet und weiter ging die Reise. In Tacna angekommen hat sich unser Taxifahrer dann sehr nett um uns gekümmert und einen Bus nach Arequipa gesucht. Sogar bezahlt hat er ihn! Aha! Dann hatten wir also DOCH ein Busticket gekauft!
Mit Zeitumstellung sind wir dann gegen 22:00 Ortszeit in Arequipa angekommen.

In Arequipa gab es dann eine typische Stadtrundfahrt in einem gelben Touri-Doppeldeckerbus, jeder mit einem gelben Sonnenschild vom Veranstalter auf dem Kopf. Jetzt im Moment sitzen wir in einem Bus, mit dem wir einen zweitägigen Ausflug in den Cañon Colca machen. Heute geht es auf 4980m. Diese Höhe ist gut um sich an die dünne Luft zu gewöhnen. In Bolivien haben wir nämlich vor, eine geführte zweitägige Tour auf den Gipfel eines Sechstausenders zu machen. Auch gut für die Höhe sind Kokablätter. Auf denen kaut man glaub rum, bis man high ist. Dann spürt man die dünne Luft nicht mehr so. Irgendwie so hab ich das mitbekommen 🙂
Außer Blättern gibt es noch Bonbons, Cookies und Tee aus Kokablättern. Der ganze Bus, in dem wir gerade sitzen, riecht schon total nach dem Zeugs. Morgen abend nach der Rückkehr unseres kleinen Ausfluges geht die Reise weiter nach Lima, wo wir meinen fast-Onkel Gabriel besuchen werden. Dort bleiben wir drei Tage bevor es auf eine fünftägige Wanderung rund um und auf Machu Picchu geht. Leider konnten wir den berühmten Inkatrail nicht machen, da seit einiger Zeit „nur“ noch 500 Menschen pro Tag erlaubt sind.
Unsere alternative Route ist aber sicherlich genauso interssant. Der Inkatrail ist momentan bis Ende Oktober ausgebucht, das sind über drei Monate im Vorraus. Welcher Backpacker plant denn drei Monate im Vorraus?!?

Wir haben bisher schon undendlich viele Fotos gemacht, hochladen kann ich die leider frühestens nach unserer Backpackerreise in guten zwei Wochen.

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