Archiv nach Monaten: Dezember 2011

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Heute Nacht war unsere letzte Schicht im Schildkrötenprojekt. Am Montag gab es – o Wunder – etwas Fleisch zu Mittag und Kerstin hat sich im Surfen verbessert. Sonst gibt es nicht viel neues seit meinem letzten Eintrag.

Da ich es bisher versäumt habe, einen normalen Tag im Camp zu beschreiben, hole ich das schnell nach. Manchmal wird man morgens um 6 Uhr geweckt, dann gibt es vor dem Frühstück schon Arbeit. Zur Zeit gibt es jedoch nicht so viel Arbeit, wie in der Hochsaison von August bis Anfang November. Daher fängt der Tag meist mit dem Frühstück gegen 8 Uhr an: Meistens Gallo Pinto (Reis mit schwarzen oder roten Bohnen), eventuell eine Scheibe Toast dazu. Nach dem Frühstück wird dann bis 10 Uhr gearbeitet – egal, ob es Arbeit gibt, oder nicht… Sinnvolle Arbeit ist zum Beispiel geschlüpfte Nester ausgraben und mit frischem Sand zu befüllen oder den Strand von angeschwemmtem Müll zu säubern. Sinnlose Arbeit ist beispielsweise, den bereits unkrautfreien Pfad zum Camp von Unkraut zu befreien.

Außer dieser gemeinsamen Arbeit gibt es noch den Schildkrötendienst. Jeder Freiwillige hat zweimal am Tag je zwei Stunden Schicht. Die erste Schicht ist in der Nacht irgendwann zwischen 18:00 und 6:00 Uhr, die zweite Schicht zwölf Stunden später. In dieser Schicht muss jede halbe Stunde nachgesehen werden, ob neue Babies geschlüpft und aus dem Sand gekrochen sind. Falls dem so ist, werden sie registriert, die ersten 10 jedes Nests gewogen, gemessen und anschließend ins Meer entlassen. Nachts gibt es außerdem eine Patrullie, die nach neuen Nestern sucht. Findet diese ein Nest, so werden die Eier ausgegraben, gezählt, ins Camp gebracht und den schichthabenden Freiwilligen zum Eingraben im Gehege überlassen. Der restliche Tag ist frei, das Camp darf aber nur Sonntags, ab und zu Donnerstags und ansonsten nur mit Sondererlaubnis verlassen werden. Da wir bei Flut ungefähr zehn Meter und bei Ebbe etwa 30 Meter von der Brandung entfernt wohnten, haben Kerstin und ich die freie Zeit mit Surfen verbracht. Dazu hatten wir uns beide in Sámara je ein Surfboard für die Zeit im Camp gemietet. Das war günstiger, als vom Campchef ständig eines für völlig überteuerte 4 Dollar pro Stunde zu mieten. Zudem gab es keine Garantie ein Board dann zu bekommen, wenn man gerne eins haben wollte.

Jetzt haben wir die Arbeit im Camp hinter uns gelassen und sitzen im Bus nach San José, von wo aus es morgen weiter in Richtung Panamá auf die Inselgruppe Bocas del Torro geht. Jetzt haben wir etwa drei Wochen Urlaub!

Schwarzwälder Schinken und Leberwurst

Heute Morgen, auf dem Weg nach Sámara, kamen wir an einer deutschen Bäckerei vorbei. Dort gab es super Schwarzbrot mit Leberwurst und schwarzwälder Schinken. Wir waren dankbare Abnehmer für so ein leckeres zweites Frühstück!

Weihnachtsfeier mit den Schildkröten

Zwei Naechte vor Weihnachten kamen fuenf grosse Schildkroeten zum Eierlegen an unseren Strand. Eine Tortuga Lora (Oliv-Bastardschildkroete) haben wir direkt beim Eierlegen abgepasst und ich konnte ihre Eier auffangen, bevor sie in den Sand gefallen sind. Es war ziemlich spannend, einer Schildkroete waehrend des Eierlegens so nahe zu kommen. Sie sind wie in Trance waehrend der Aktion. Auch wenn sie ansonsten sehr schreckhaft sind, lassen sie sich dabei von nichts und niemandem stoeren. So werden sie dabei auch „beringt“ und vermessen. Die Marke, die sie beim Beringen bekommen, ist allerdings kein Ring wie bei Voegeln sondern eher wie ein Piercing und wird durch die Flipper (Vorderflossen) gesteckt, wie eine Ohrmarke beim Schaf.

In der Nacht vom 23. auf den 24. haben wir ein grosses Exemplar einer Tortuga Verde (gruene Meeresschildkroete) mit etwa 1,2m Laenge gefunden. Leider hat sie nur unsere Sitzbank zerstoert indem sie diese untergraben hat. Sie hat keine Eier gelegt, sondern ist unverrichteter Dinge wieder ins Meer verschwunden. Von ihr gibt es kein brauchbares Foto, da sie mitten in der Nacht kam, kein Blitz erlaubt war uns sie recht schnell nach ihrer Entdeckung wieder ins Meer gewandert ist. Dieses Verhalten ist bei dieser Spezies allerdings normal, sie sind sehr waehlerisch, was die Brutstaette angeht. Manchmal kommt sie viermal an den Strand, bevor sie ihre Eier vergraebt. Dafuer gab es 69 kleine Schildkroetenchristkinder in dieser Nacht.

Gestern war Heilig Abend. Im Camp hat man davon kaum was bemerkt. Der einzige Unterschied war: Es gab ein Stueck Fleisch fuer jeden. Mit trockenem Reis. Wir freiwilligen haben allerdings etwas vorgesorgt und haben uns mit Suessigkeiten und Knabbereien versorgt. Kerstin und ich haben uns verbotenerweise auch eine Flasche chilenischen Cabernet Sauvignon genehmigt, den wir dann mit zwei anderen geteilt haben. Etwas enttaeuschend war das „Weihnachtsessen“ ja schon. Ich haette mir da schon wenigstens etwas Sosse zum Reis oder vielleicht mal etwas anderes als Reis vorgestellt.

Wenigstens hat meine Beschwerdeemail Wirkung gezeigt und wir bekommen seit Montag mehr zu essen. Alle Jungs bekommen jetzt zu jeder Mahlzeit einen extragrossen Teller mit einer extragrossen Portion.

Frohe Weihnachten!

Heute haben wir einen halben Tag frei bekommen, da wir relativ viele Leute im Camp sind und nicht so viel Arbeit haben. Heute ist der letzte Tag vor Weihnachten, an dem wir in die Stadt kommen. Daher haben wir uns jetzt mit Weihnachtsleckereien und etwas Wein eingedeckt, damit wir an Heilig Abend etwas zu feiern haben. Wein ist zwar eigentlich verboten im Camp, aber das lassen wir uns nicht nehmen! Es muss ja nicht jeder mitkriegen 😉

In diesem Sinne wuenschen Kerstin und ich euch allen ganz frohe und besinnliche Weihnachten!!

Kerstin und Nino

Buena Vista Turtle Project

Seit Sonntag bin ich nun in der Nähe von Sámara im Schildkrötenprojekt Buena Vista. Wenn man hier in der Stadt ankommt, muss man zuerst ein Taxi nehmen, dass einen an die Mündung des Flusses Buena Vista nehmen. Dort wird man dann von einem der Freiwilligen empfangen und muss mit seinem gesamten Gepäck über den Fluss waten. Von dort aus läuft man dann etwa eine viertel Stunde entweder den Strand entlang oder durch den Urwald. Das Camp befindet sich direkt am Strand hinter einem selbst errichteten Schutzwall aus Sand. Es besteht aus drei Brutzonen für die Schildkröteneiern und einer großen hölzernen, mit Wellblech beplankten Hütte, die das Hauptgebäude darstellt und in deren oberen Stockwerk sich der Schlafsaal für die Freiwilligen befindet. Neben der Haupthütte gibt es noch eine kleinere, in der die Assistenten des Campchefs nächtigen, sowie die Hütte des Chefs selbst.

Die Arbeit läuft hier so ab, dass jeder der Freiwilligen zweimal am Tag Schicht hat. Einmal in der Nacht zwei Stunden und einmal am Tag zwei Stunden. In dieser Schicht muss man jede halbe Stunde schauen, ob in der Brutstätte Schildkrötenbabys geschlüpft sind. Ist dies der Fall, müssen diese eingesammelt und an die Stelle am Strand gebracht werden, an der die Schildkrötenmutter acht bis zehn Wochen vorher die Eier im Sand vergraben hat. Dort werden die Kleinen dann freigelassen und sie watscheln dann allesamt in die richtige Richtung, nämlich ins weite Meer.

Ab und zu kommt es dann auch während der Schicht vor, dass die sogenannte Patrouille einen Sack voll frisch gelegter Eier anschleppt. Diese Eier müssen dann in der Brutstätte in einer Tiefe von 45-50cm im Sand vergraben werden. Anschließend wird ein Protokoll aufgenommen, in dem festgehalten wird, wann und wo das Nest mit den Eiern gefunden wurde, wie viele Eier sich darin befanden und an welcher Stelle der Brutstätte die Eier nun vergraben wurden.

Außer den zwei Schichten, die jeder am Tag hat, wird auch morgens nach und manchmal sogar vor dem Frühstück etwas gearbeitet. Dabei handelt es sich dann um Wartungsarbeiten am Camp oder Strandreinigungsarbeiten oder was eben anfällt. Frühstück gibt es um 8oo Uhr, Mittagessen um halb 12 und Abendessen gegen halb 5. Wenn es dunkel wird, ist es nämlich auch wirklich dunkel. Strom gibt es nur von einigen Solarzellen auf dem Dach und dieser wird auch nur zum Laden von diversen Akkus und für Notfälle gebraucht. Daher gehen die meisten Leute im Camp zwischen 19oo und 21oo Uhr schlafen. Das ist angesichts der Nachtschichten aber auch eine ganz gemütliche Uhrzeit.

Heute nacht sind das erste Mal seit ich hier bin Schildkröten geschlüpft. Sonst habe ich bisher jede Nacht nur Gelege vergraben.

Adiós Jacó, hola Sámara!

Heute war mein Letzer Tag in Jacó. Wenn ich mal wieder an einen PC mit Internetanschluss kommen sollte, werde ich auch ein paar Fotos von Gustavos Haus, in dem ich die letzten knapp vier Wocheb gelebt habe, online stellen. Leider war dort seit über einer Woche das Internet kaputt.

Am Wochenende war Kerstin wieder zu Besuch bei mir. Am Freitag haben wir eine sehr interessante Krokodiltour mit Gustavo gemacht. Er hat einen Freund, der solche Touren anbietet und so durften wir kostenlos an so einer Tour teilnehmen. Wir konnten sogar Monica Lewinski, eine über 5m lange Krokodilsdame, streicheln.

Am Samstag kam Besuch aus Coronado: Vier Mädels aus Kerstins Sprachschule kamen nach Jacó und haben dort Surfunterricht genommen und sind mit anschließend mit uns gesurft.

Heute, am Sonntag, habe ich meine Zelte in Jacó abgebrochen. Gerade sitze ich mit Kerstin im Bus nach San José, von wo aus ich morgen früh um 5 die Reise nach Samará in den Nationalpark Bella Vista antreten werde. Dort arbeite ich dann die nächsten drei Wochen mit Schildkröten.

Kein Alkohol am Steuer!!!

Gestern Morgen hat uns eine schreckliche Nachricht ereilt. Ein guter Freund von Gustavo hat in der Nacht betrunken einen Autounfall verursacht und ist dabei ums Leben gekommen. Einige Stunden vorher, als er noch nüchtern war, hat er uns zu acht zum Fußballspielen gefahren. Ein ganz netter Kerl war das. Leider hat er oft gesoffen und hinterließ nun seine beiden drei und fünf Jahre alten Kinder sowie seine Ehefrau. Entsprechend gedrückt war die Stimmung gestern in der Surfschule.

Alltag in der Surfschule

Die letzte Woche passierte hier in Jacó nicht sehr viel neues. Ich bin jeden Morgen um halb 7 aufgestanden und habe mit einem der Surflehrer den Stand am Strand aufgebaut. Danach bin ich surfen gegangen. Mittags hab ich eine Stunde den Stand bewacht um ihn abends wieder abzubauen. Töpfe hab ich keine mehr gespült 🙂

Am Wochenende war Kerstin wieder hier und wir sind mit dem Bus an den nahegelegenen Strand Playa Hermosa zu den Centroamerican Surfing Games 2011 gefahren. Fotos davon gibts bei Kerstin auf dem Blog.

Seit Sonntag hab ich ein eigenes Zimmer, da Rafael nach Brasilien weitergereist ist. Jetzt bleibt mir aber nicht mal mehr eine ganze Woche hier, bevor es weiter nach Samará in den Nationalpark Bella Vista geht. Die Woche über werde ich das selbe tun, wie letzte Woche.