Heute Nacht war unsere letzte Schicht im Schildkrötenprojekt. Am Montag gab es – o Wunder – etwas Fleisch zu Mittag und Kerstin hat sich im Surfen verbessert. Sonst gibt es nicht viel neues seit meinem letzten Eintrag.
Da ich es bisher versäumt habe, einen normalen Tag im Camp zu beschreiben, hole ich das schnell nach. Manchmal wird man morgens um 6 Uhr geweckt, dann gibt es vor dem Frühstück schon Arbeit. Zur Zeit gibt es jedoch nicht so viel Arbeit, wie in der Hochsaison von August bis Anfang November. Daher fängt der Tag meist mit dem Frühstück gegen 8 Uhr an: Meistens Gallo Pinto (Reis mit schwarzen oder roten Bohnen), eventuell eine Scheibe Toast dazu. Nach dem Frühstück wird dann bis 10 Uhr gearbeitet – egal, ob es Arbeit gibt, oder nicht… Sinnvolle Arbeit ist zum Beispiel geschlüpfte Nester ausgraben und mit frischem Sand zu befüllen oder den Strand von angeschwemmtem Müll zu säubern. Sinnlose Arbeit ist beispielsweise, den bereits unkrautfreien Pfad zum Camp von Unkraut zu befreien.
Außer dieser gemeinsamen Arbeit gibt es noch den Schildkrötendienst. Jeder Freiwillige hat zweimal am Tag je zwei Stunden Schicht. Die erste Schicht ist in der Nacht irgendwann zwischen 18:00 und 6:00 Uhr, die zweite Schicht zwölf Stunden später. In dieser Schicht muss jede halbe Stunde nachgesehen werden, ob neue Babies geschlüpft und aus dem Sand gekrochen sind. Falls dem so ist, werden sie registriert, die ersten 10 jedes Nests gewogen, gemessen und anschließend ins Meer entlassen. Nachts gibt es außerdem eine Patrullie, die nach neuen Nestern sucht. Findet diese ein Nest, so werden die Eier ausgegraben, gezählt, ins Camp gebracht und den schichthabenden Freiwilligen zum Eingraben im Gehege überlassen. Der restliche Tag ist frei, das Camp darf aber nur Sonntags, ab und zu Donnerstags und ansonsten nur mit Sondererlaubnis verlassen werden. Da wir bei Flut ungefähr zehn Meter und bei Ebbe etwa 30 Meter von der Brandung entfernt wohnten, haben Kerstin und ich die freie Zeit mit Surfen verbracht. Dazu hatten wir uns beide in Sámara je ein Surfboard für die Zeit im Camp gemietet. Das war günstiger, als vom Campchef ständig eines für völlig überteuerte 4 Dollar pro Stunde zu mieten. Zudem gab es keine Garantie ein Board dann zu bekommen, wenn man gerne eins haben wollte.
Jetzt haben wir die Arbeit im Camp hinter uns gelassen und sitzen im Bus nach San José, von wo aus es morgen weiter in Richtung Panamá auf die Inselgruppe Bocas del Torro geht. Jetzt haben wir etwa drei Wochen Urlaub!

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