Silvester in Sydney

Da Australien internettechnisch schon etwas hinter dem Mond lebt, kommen wir leider recht selten online. Seit dem letzten Blogeintrag ist schon viel passiert. Wir sind am 26. Dezember mit dem Zug von Adelaide nach Melbourne aufgebrochen. Von Kerstins WG hab ich mich verabschiedet, da ich nicht mehr dorthin zurückkehren werde. Von Melbourne aus haben wir zwei Tagesausflüge gemacht. Einer führte uns nach Phillip Island, einer kleinen Insel in der Nähe von Melbourne. Auf dieser Insel kommt jeden Abend eine der weltweit größten Zwergpinguinkolonien an Land und watschelt zu ihren Nestern zurück. Der zweite Tagesausfglug führte uns die Great Ocean Road entlang, eine sehr eindrucksvolle Straße entlang der australischen Südküste. Hier liegen unter Anderem Bell’s Beach, Australiens berühmtester Surfstrand und die zwölf Apostel, eine einzigartigen Felsformation aus sieben alleine stehenden Türmen im Meer.
Am 29. Dezember sind wir mit dem Flieger weiter nach Sydney gereist und dort abends Fabi, einen Freund von mir aus meinem Studium, getroffen. Fabi studiert seit etwas mehr als einem halben Jahr in Sydney und beschreibt seine Erfahrungen auf seinem Blog „Fab Down Under“ (siehe Linkliste). Am 30. Dezember haben Kerstin und ich etwas verrücktes gemacht: Wir sind aus einem fliegenden Flugzeug gesprungen. Dazu sind wir mit einem Bus zu einem Flugplatz etwas außerhalb von Sydney gefahren. Nach einer kurzen Einweisung durch unseren Dive Buddy haben wir auch gleich unsere Sprunganzüge und Gurte angelegt. Nun mussten wir noch die Landung unseres wirklich winzigen Flugzeugs abwarten. Drin saßem dann Kerstin, ich und zwei andere mutige samt unseren Tandempartnern. Als wir dann auf etwa 4000 Metern waren und unser jeweiliger Buddy uns an seinen Fallschirm gegurtet haben, ging auch schon die Tür des Flugzeugs auf. Mein Mund war etwas trocken und mein Puls wohl recht hoch. Doch zum drüber nachdenken, was ich da gerade im Begriff zu tun bin, war keine Zeit. „Put your legs out, cross your arms on your breast“ übertönte von hinten die Stimme meines Buddys den Flulärm (auf deutsch: „Häng deine Füße raus und kreuze deine Arme vor der Brust“). Und schon saß ich nicht mehr im Flieger. Mein Bauch schlug Purzelbäume wie in der Achterbahn. Nur besser. Wir schlugen auch einen Purzelbaum und sahen die offene Türe des Flugzeugs noch kurz über uns, dann wurde der Flieger sehr schnell sehr viel kleiner. Der Wind rauschte immer schneller an meinen Ohren vorbei und ich breitete die Arme aus wie ein Vogel seine Flügel. Es war wirklich ein tolles Gefühl! Nach einem langen freien Fall und einer immer größer werdenden Erde unter uns gab mir mein Buddy ein Zeichen und zog die Reißleine. Der gelbe Schirm öffnete sich kurz über den Wolken auf etwa 1000 m und bremste unseren atemberaubenden Fall. So segelten wir langsam durch die Wolken und konnten die kühle Frische darin auf der Haut fühlen. Jetzt konnten sich mein Buddy und ich auch wieder unterhalten, da der tosende Wind aufgehört hatte und es plötzlich erstaunlich still war. Als wir die Wolken wieder verlassenhatten, konnte ich einige Meter vor uns Kerstin mit ihrem Buddy unter einem leuchtend grünen Schirmm gleiten sehen. So schwebten wir langsam der Erde wieder entgegen und mein Buddy zeigte mir, wie ich einen Fallschirm selbst steuern kann. Unten kamen wir kurz vor Kerstin an und blieben sogar auf den Füßen. Kerstin landete auf dem Hintern 🙂
Abends mussten wir in eine andere Jugendherberge umziehen, da wir nicht durchgehend in einer buchen konnten. Um Silvester ist in Sydney nahezu alles ausgebucht. Diese zweite Juhe war ein absoluter Glücksgriff: Ein rießengroßes altes Schloss, das das Jahr über normalerweise als Internat dient, wird in den Sommermonaten in eine Jugendherberge verwandelt.
Am nächsten Tag war Silvester und wir hatten uns mit Fabi, Brad, Emma, Frieda und Maria (von Kerstins Uni) um 9oo Uhr morgens am Botanischen Garten in Sydney verabretet. Dort war schon eine schier unendlich lange Schnange an der wir uns anstellen mussten. Gegen 11oo waren wir dann endlich im Garten und hatten einen ganz brauchbaren Blick auf das Opernhaus und die Harbourbridge. Um das Feuerwerk zu sehen mussten wir allerdings noch eine ganze Weile warten. Es waren zwei Feuerwerke angekündigt: Das erste um 21oo Uhr, dieses war für die Familien mit Kindern bestimmt. Das zweite sollte dann um Mitternach stattfinden. Die Zeit haben wir uns mit Spazierengehen im Garten und Essen und Rumlümmeln im Gras vertrieben. Beide Feuerwerke waren später ganz nett, besonders die Feuerwerkskörper, die im Wasser explodierten und anschließend hoch in den Himmel schossen. Jedoch hätten wir uns von dem so berühmten Feuerwerk in Sydney zu Silvester etwas mehr erwartet.
Am ersten Tag des neuen Jahren machten wir mit Fabi zusammen einen sehr spontanen Ausflug mit dem Zug in die Blue Mountains (=Blaue Berge). Ihren Namen verdanken sie dem verdunstenden Öl der abertausenden Eukalyptusbäume. Diese Öl liegt wie ein blauer Schleier in der ganzen Luft durch den alles etwas blau erscheint.
Vom 2.1. bis 5.1. waren wir Dorothy, sozusagen die Institutsmama von Kerstins Institut an der Uni, bei ihren Eltern besuchen. Sie wohnen etwa zwei Zugstunden südlich von Sydney und hat uns in ihrem Heimatdorf Bowral alle Sehenswürdigkeiten gezeigt. Seit dem 3.1. waren auch Brad und Emma (ebenfalls Freunde von Kerstin von der Uni) bei Dorothy zu Besuch. Gerade im Moment fahren wir wieder mit dem Zug nach Sydney.

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