{"id":166,"date":"2009-08-15T22:19:02","date_gmt":"2009-08-16T02:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/nino.tech-kyb.de\/?p=166"},"modified":"2009-08-15T22:19:02","modified_gmt":"2009-08-16T02:19:02","slug":"6088m","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.haeberlen-online.de\/?p=166","title":{"rendered":"6088m"},"content":{"rendered":"<p><div style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/192.168.2.100\/fotos\/IMG_9947.JPG\"><img decoding=\"async\" alt=\"In voller Montur und angeseilt geht es den Berg hinauf\" src=\"http:\/\/192.168.2.100\/fotos\/thumbs\/IMG_9947.JPG\" title=\"Ausr\u00fcstung\" width=\"150\" height=\"100\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">In voller Montur und angeseilt geht es den Berg hinauf<\/p><\/div>Die Nacht war grausam. Wir waren es zwar gewohnt, fr\u00fch ins Bett zu gehen, jedoch nicht SO fr\u00fch. Um 18:30 lagen alle auf dem Dachboden der H\u00fctte in ihren Schlafs\u00e4cken und raschelten, was das Zeug hielt. Nach vier Stunden schaute ich dann endlich mal auf die Uhr, es war halb elf. Langsam wurde ich m\u00fcde genug, um eventuell bald ein zu schlafen. Um halb zw\u00f6lf war ich immer noch nicht eingeschlafen. Um halb eins hatte dann irgend so ein Hirni seinen Wecker gestellt, den er auch glatt \u00fcberh\u00f6rte, daf\u00fcr aber den Rest der Mannschaft schonmal eine halbe Stunde zu fr\u00fch weckte. Kurz nach eins kam dann einer der Gu\u00edas um uns zu wecken. Nachdem wir dann unsere Schlafs\u00e4cke wieder eingepackt und uns dann eine Ewigkeit lang in unsere Ausr\u00fcstung gezw\u00e4ngt hatten, ging es gegen kurz nach zwei endlich los. Nach 50m Fu\u00dfmarsch wurden die Steigeisen an die F\u00fc\u00dfe geschnallt und je zwei Touristen mit einem Seil an ihren Gu\u00eda geschn\u00fcrt. Durch die Kopflampe, die jeder auf der Stirm hatte, konnte man immer nur die Schuhe samt Steigeisen des Vordermanns sehen, der Blick reichte nicht weiter als einige Meter. Nach einer endlos erscheinenden Zeit gab es die erste Pause. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir erst eine Stunde gelaufen waren. Da es aufrund der gr\u00f6\u00dferen H\u00f6he nun schon etwas k\u00e4lter geworden war, zog ich meinen Winteranorak noch an. Ich hatte jetzt zwei Paar Socken, drei Hosen, ein T-Shirt, ein Sweatshirt, eine Fleecejacke, eine Regenjacke und eine Windjacke an. Sobald wir mehr als drei Minuten standen, fror ich trotzdem.<br \/>\nMein Snickers, das ich mir in dieser Pause g\u00f6nnen wollte, war gefroren. Es splitterte bei jedem Biss die Schokolade ab.<br \/>\nDer weitere Weg ging stets bergauf (wer h\u00e4tt&#8217;s gedacht?) und die Luft war verdammt knapp. Auf einer H\u00f6he von \u00fcber 5000m \u00fcber dem Meer merkt man halt schon gewaltig, dass da 5km weniger Luft \u00fcber einem sind. Ismael, unser Gu\u00eda kam nicht einmal au\u00dfer Atem. Wir mussten ihn des \u00f6fteren zu einer kurzen Verschnaufpause zwingen. Gegen sechs Uhr d\u00e4mmerte es bereits ein Wenig und wir sahen, dass wir uns schon direkt unter dem Gipfel befanden. Auf eine Nachfrage meinte er, es sei nicht mehr weiter anstrengend und auch nicht mehr steil. Komischerweise mussten wir dann doch einige Meter mehr oder weniger senkrechte Eiswand hinaufklettern. Gott sei Dank hatten wir das ja am Tag vorher ge\u00fcbt! Fast oben angekommen ging es dann noch einige Meter auf dem Grat des Berges entlang. Ich glaube, so einen Grat h\u00e4tte ich mir vorher in meinen k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht vorgestellt: Rechts ging es ungef\u00e4hr 1000m (in Worten: eintausend Meter) fast senkrecht eine felsige, teils vereiste Wand hinunter. Man konnte unten die Talsohle sehen. Links ging es nicht ganz so weit, nur etwa 100m, auch nicht ganz so steil hinunter. Auch war hier kein Fels zu sehen, es war alles vergletschert. Es h\u00e4tte auf jeden Fall nur ein falscher Schritt nach links oder rechts gereicht, man w\u00e4re einfach so runtergefallen. Zum Gl\u00fcck war da noch dieses Seil&#8230; Ismael meinte kurz vor dem Ziel recht trocken, drei Wochen vorher seien drei Ecuadorianer bei dem Versuch, die steile S\u00fcdwand zu erklimmen, in den Tod gest\u00fcrzt. Er selbst hat die Wand vor zwei Monaten im Zuge seiner Bergf\u00fchrerpr\u00fcfung erklettern m\u00fcssen. Es sei ein vierzehnst\u00fcndiger Aufstieg gewesen. Oben, auf 6080m angekommen entsch\u00e4digte die hinterm Horizont aufgehende Sonne und der Ausblick auf die umliegenden, niedrigeren Gipfel f\u00fcr alle vorangegangenen Qualen. Es war einfach umwerfend!<br \/>\n<div style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/192.168.2.100\/fotos\/IMG_9964.JPG\"><img decoding=\"async\" alt=\"Der Gipfel\" src=\"http:\/\/192.168.2.100\/fotos\/thumbs\/IMG_9964.JPG\" title=\"6088m \u00fc.NN.\" width=\"150\" height=\"100\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Der Gipfel<\/p><\/div>Nach einer Rast von etwa f\u00fcnf Minuten mussten wir jedoch schon wieder den Abstieg beginnen. Zum Einen wurde es zu kalt, zum Andern mussten wir den sehr begrenzten Platz auf dem verschneiten Gipfel f\u00fcr die nachkommenden Gr\u00fcppchen freigeben. Wir waren \u00fcbrigens die vorletzten, die starteten, aber die ersten, die oben ankamen: Germany wins! Entgegen meiner Hoffnung<br \/>\nwar der Abstieg nicht weniger anstrengend als der Aufstieg. Unser Problem war, dass wir nicht mehr gen\u00fcgend Wasser bei uns hatten. So wurden die Kopfschmerzen, die sich schon beim Aufstieg ganz leicht angek\u00fcndigt hatten, immer st\u00e4rker. Zum Schluss war der Durst so gro\u00df, dass ich anfing, Schnee in meinen Mund zu stopfen. Obwohl wir die ersten auf dem Gipfel waren, waren wir dann die Letzten, die in der Basisstation ankamen. So langsam machte der Durst vor Allem mich. Kerstin hat es wohl besser<br \/>\nweggesteckt. W\u00e4hrend des Abstiegs verfluchte ich die Organisation unserer Tour unz\u00e4hlige Male: Keiner hatte uns gesagt, dass man oben, im Basislager, kein Wasser mehr kaufen kann. Wir waren es von unserer letzten Wanderung gewohnt, dass man selbst auf \u00fcber 4000m noch alle paar Ecken Wasser und sogar RedBull und Bier kaufen kann. Das war leider unser Verh\u00e4ngnis.<br \/>\nNachdem wir also an der Basisstation undere Schlafs\u00e4cke eingepackt, die Ausr\u00fcstung ausgezogen und endlich im Tal angekommen waren, wurden die Kopfschmerzen immer heftiger. Erst nach einer sehr gro\u00dfen Menge an Wasser (die dort gl\u00fccklicherweise wieder zu kaufen war), lie\u00dfen sie allm\u00e4hlig nach.<br \/>\nAls wir gegen ein Uhr wieder in La Paz angekommen waren, stellten wir erfreut fest, dass die Bank uns unser &#8222;gestohlenes&#8220; Geld wieder zur\u00fcck\u00fcberwiesen hatte.<br \/>\nNach einem kr\u00e4figenden Mittagessen im Hotel Oberland (wo wir zuvor schon zweimal Schweizer Fondue gegessen hatten) nahmen wir abends dann den Bus nach Uyuni, wo unsere n\u00e4chste Tour beginnen sollte. Morgen fr\u00fch werden wir dann dort ankommen und sehen, was uns dort erwartet&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nacht war grausam. Wir waren es zwar gewohnt, fr\u00fch ins Bett zu gehen, jedoch nicht SO fr\u00fch. Um 18:30 lagen alle auf dem Dachboden der H\u00fctte in ihren Schlafs\u00e4cken und raschelten, was das Zeug hielt. 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